ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT
Globale Philanthropie
Hier erfahren Sie über Initiativen des Verbandes zur Förderung von Entwicklungszusammenarbeit. Durch die Integration globaler Perspektiven in die österreichische Stiftungs- und Unternehmenslandschaft soll ein dialogorientierter, respektvoller Zugang gefördert werden, der Missverständnisse abbaut und nachhaltige Kooperationen ermöglicht.
Der Verband für gemeinnütziges Stiften kooperiert mit der Austrian Development Agency. Gemeinsam informieren wir philanthropische Akteur*innen und schaffen dadurch mehr Engagement für globales Lernen und internationale Zusammenarbeit.
Philanthropie in Afrika
Globale Umbrüche eröffnen neue Perspektiven: Wer Afrikas Dynamiken jenseits gängiger Bilder versteht, erkennt neue Chancen für wirksame Philanthropie, strategische Partnerschaften und nachhaltige Investitionen.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der ADA am 27. April 2026 bot Einblicke in innovative Partnerschaften und Best-Practice Beispiele. Keynote Speaker Christoph Schmocker bot Einblicke in seine internationalen Erfahrungen als Philanthropie-Experte und seine Arbeit im südafrikanischen DG Murry Trust. Alle Informationen hier
Interview mit Christoph Schmocker, D.G. Murray Trust
Der südafrikanisch-schweizerischer Philanthropie-Experte im Gespräch
Verband für gemeinnütziges Stiften: Herr Schmocker, Sie leben und arbeiten seit vielen Jahren in Südafrika und waren auch zuvor international tätig. Wie hat diese Erfahrung Ihre Perspektive auf wirksame Philanthropie verändert?
Christoph Schmocker: Es hat meine Sichtweise sowohl als Schweizer als auch als Mensch grundlegend verändert. Wenn man mit anderen Kulturen arbeitet und dort tatsächlich etwas bewirken möchte, kommt man nicht darum herum, sich intensiv mit diesen Kulturen auseinanderzusetzen. Wir sprechen hier vor allem über Afrika, doch ich war auch viel in Lateinamerika und ein wenig in Asien tätig.
Ganz selbstverständlich interessiert man sich dann beispielsweise für Themen wie „Wer waren die Azteken?“, „Wer war Nelson Mandela?“, „Wie verlief die Kolonialzeit?“, „Woher stammt Vanille?“. Mir persönlich wäre es immer zu eng gewesen, mein Leben nur in der Schweiz zu verbringen und gelegentlich Ferien auf Mallorca zu machen.
Meine beruflichen Aufgaben, insbesondere seit 1996 als Direktor von Terre des Hommes, haben mich dazu gebracht – und ich wollte das auch –, meinen Blick zu öffnen, neue Themen zu entdecken und Zusammenhänge besser zu verstehen. Ich kann gut mit Menschen ins Gespräch kommen. Es gelingt mir, dass wir einander echte Geschichten erzählen – keine abstrakten Erzählungen über Staaten oder Systeme, sondern konkrete Dinge des Alltags: Wie komme ich zur Arbeit? Was essen wir heute Abend? Was ist uns in der Kindererziehung wichtig? Warum funktionieren unsere Schulen nicht gut?
Solche Fragen haben mich immer interessiert, weil ich ein neugieriger Mensch bin. Und es war faszinierend zu hören, wie das Leben in anderen Ländern funktioniert. Dabei wurde mir bewusst, dass es weit mehr gibt als die vertrauten nationalen Symbole und Denkmuster.
Auch mit unseren eigenen Kindern haben wir diese Offenheit spielerisch gefördert – etwa indem wir auf langen Autofahrten Rätsel zu Länderflaggen, Hauptstädten oder typischen Gerichten gespielt haben. Ich empfinde diese internationalen Erfahrungen als große Bereicherung – eine Bereicherung, die ich gesucht habe und glücklicherweise auch erhalten durfte.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Ihr Weg als Philanthropie-Experte führte Sie über große internationale Organisationen – von Terre des Hommes über die UBS Foundation und die Julius Bär Foundation bis hin zum südafrikanischen D.G. Murray Trust. Was macht den D.G. Murray Trust so besonders?
Christoph Schmocker: Ich möchte drei Aspekte hervorheben.
· Erstens Ursprung und moralisches Vermächtnis: Douglas George Murray hat sein Vermögen mit einem Bauunternehmen erwirtschaftet – während der Apartheid, also innerhalb eines stark abgeschotteten und ungerechten Systems. Er war sich seiner enormen Privilegien bewusst und entschied gemeinsam mit seiner Frau, sein gesamtes Vermögen in den D.G. Murray Trust einzubringen. Bereits bei der Gründung im Jahr 1979, also mitten im Apartheid-Regime, wurde ausdrücklich festgelegt, dass der Trust benachteiligte Bevölkerungsgruppen aller Ethnien unterstützen soll. Bildung stand dabei von Anfang an im Mittelpunkt.
In der südafrikanischen Realität bedeutete das vor allem die Unterstützung schwarzer und sogenannter „coloured“ Communities. D.G. Murray hat also nicht nur Geld hinterlassen, sondern auch eine Haltung – ein moralisches Vermächtnis. Das ist außerordentlich beeindruckend.
· Zweitens die Entwicklung des D.G. Murray Trusts von einer reinen Förderstiftung zum „Public Innovator“, einer gestaltenden Kraft. Heute zählt der Trust zu den größten Förderstiftungen Südafrikas und versteht sich zunehmend als Initiator gesellschaftlicher Veränderung. Derzeit arbeiten wir mit zehn sogenannten „Opportunities“ – strategischen Initiativen zu zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen. Daraus resultieren Ziele wie „Alle Kinder erreichen wichtige Lernziele bis zur 4. Klasse“ oder frühkindliche Entwicklung mit einem Projektfokus auf die ersten 1.000 Lebenstage eines Kindes, um Wachstumsverzögerungen zu verhindern.
Was den D.G. Murray Trust besonders auszeichnet, ist sein Mut. Die Organisation umfasst rund 200 Mitarbeitende, und dieser Mut ist tief in der Kultur der Institution verankert. Wenn wir eine Initiative starten, dann mit dem Anspruch, das zugrundeliegende Problem zu lösen. Ich habe für zahlreiche internationale Stiftungen gearbeitet und viele beraten – keine davon war in diesem Ausmaß bereit, Verantwortung für strukturelle Veränderung zu übernehmen.
In einem Land mit tiefgreifenden sozialen Problemen zu sagen: „Dieses Problem wollen wir beseitigen“, erfordert enorme Entschlossenheit. Es fehlt oft an Geld, Wissen, Netzwerken, Partnern oder politischen Zugängen. Letztlich braucht jede nachhaltige Veränderung auch staatliche Unterstützung in Form neuer Gesetze oder politischer Maßnahmen. Der D.G. Murray Trust ist so angesehen, dass sich staatliche Stellen wegen seines Know-Hows und seiner Umsetzungsstärke an ihn wenden. Es ist definitiv die mutigste Stiftung, für die ich je gearbeitet habe.
· Der dritte Punkt betrifft die Menschen in der Organisation. Rund 70 Prozent unserer Mitarbeitenden sind farbige Südafrikanerinnen und Südafrikaner. Hier arbeitet eine post-apartheid Generation hochqualifizierter Menschen – viele mit Masterabschluss oder Doktortitel –, die langfristige gesellschaftliche Veränderung aktiv gestalten wollen.
Dann kommt jemand wie ich dazu, mit meiner internationalen Erfahrung, und unterstützt eher bei Strukturierung, Strategie oder beim Aufbau von Partnerschaften. Die eigentliche Kraft, die Ambition und die Zuversicht kommen jedoch von ihnen selbst. Das ist beeindruckend zu beobachten.
Ich habe Südafrika erstmals Mitte der 1990er-Jahre besucht, kurz nach dem Ende der Apartheid. Damals herrschte enorme Aufbruchsstimmung, aber niemand wusste genau, wie der Weg aussehen würde. Zehn Jahre später entstand vielerorts Ernüchterung. Heute, in der dritten Dekade dieser Entwicklung, spürt man wieder Hoffnung: den Glauben daran, dass sich das Land verbessern kann, dass Ungleichheit reduziert werden kann, dass Bildung besser wird.
Diese Energie und dieser Optimismus machen es zu etwas Besonderem, Teil dieser Entwicklung zu sein. Südafrika ist für mich ein „Seelenland“, während die Schweiz meine Heimat bleibt. Noch nie hatte ich so stark das Gefühl, am richtigen Ort zu sein.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Wie spiegelt sich die Entwicklung Südafrikas heute im D.G. Murray Trust wider?
Christoph Schmocker: Man muss vorausschicken: Der D.G. Murray Trust arbeitet in einem Land, das sich seit den frühen Jahren der Stiftung grundlegend verändert hat. Ich bin seit 2008 wieder sehr nah an dieser Entwicklung dran.
Im Stiftungsrat saßen anfangs ausschließlich Weiße. Das hatte historische Gründe, denn während der Apartheid hatten nur sehr wenige Menschen aus anderen Bevölkerungsgruppen Zugang zu hochwertiger Bildung. Veränderung begann in Südafrika über den Bildungssektor. Die Privatschulen – etwa fünf Prozent des Schulsystems – entsprachen damals dem Niveau der Schweiz, Österreichs oder Deutschlands. Sie waren hervorragend ausgestattet, mit guten Lehrkräften und modernen Lehrmitteln. Der überwiegende Teil des Bildungssystems war das hingegen nicht.
Der D.G. Murray Trust hat sich bewusst den sogenannten „Disadvantaged Communities“ zugewandt. Ein entscheidender Wandel begann vor rund 17 Jahren mit dem Amtsantritt des heutigen Geschäftsführers David Harrison – ein Mediziner und einer der klügsten Führungspersönlichkeiten, mit denen ich je gearbeitet habe. Er hatte auch den Mut, den Stiftungsrat konsequent diverser aufzustellen.
Heute ist von sechs Vorstandsmitgliedern nur noch eines weiß. Denn mittlerweile gibt es hervorragend ausgebildete Akademikerinnen und Akademiker, Unternehmer und Finanzexpertinnen aus allen ethnischen Gruppen Südafrikas.
Der D.G. Murray Trust hat Gleichberechtigung konsequent umgesetzt – sowohl inhaltlich durch den Fokus auf benachteiligte Bevölkerungsgruppen als auch personell innerhalb der Organisation. Heute arbeiten über 70 % farbige Südafrikanerinnen und Südafrikaner im Trust – und zwar auf allen Hierarchieebenen bis hin zur stellvertretenden Geschäftsführung.
Andere Stiftungen wenden sich inzwischen an uns auf ihrer Suche nach qualifizierten Führungskräften. Dank unseres Netzwerks können wir manchmal unterstützen.
Unsere Mitarbeitenden werden häufig abgeworben, weil der D.G. Murray Trust als hervorragende Ausbildungsstätte gilt. Wer fünf Jahre bei uns gearbeitet hat, kann sich den nächsten Job praktisch aussuchen. Es ist einerseits ein Erfolg, andererseits natürlich auch eine Herausforderung, wenn große internationale Organisationen unsere besten Leute wollen. Gleichzeitig zeigt es, dass wir eine wichtige Rolle für die Entwicklung des gesamten philanthropischen Sektors in Südafrika spielen.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Wie arbeitet der D.G. Murray Trust mit Stakeholdern und Grantees?
Christoph Schmocker: Natürlich hat sich sowohl die Organisation als auch das gesellschaftliche Umfeld in Südafrika seit der Gründung der Organisation vollkommen gewandelt.
Schon während der Apartheid gab es einzelne schwarze Kinder, die Zugang zu weißen Schulen erhielten. Aber das waren absolute Ausnahmen. Heute ist das System deutlich durchlässiger geworden. Auch wenn Eltern selbst keinen bildungsnahen Hintergrund haben, erkennen Lehrkräfte, Sporttrainer oder Musiklehrer Talente und fördern sie gezielt.
Während der Covid-Pandemie wurde jedoch sichtbar, wie fragil viele dieser Fortschritte sind. Förderung braucht nicht nur Engagement, sondern auch Infrastruktur: Strom, Internetzugang, Mobilität. Ein talentierter Jugendlicher profitiert wenig von Förderprogrammen, wenn er keinen Zugang zum Internet hat. Mobilität ist ein entscheidender Faktor, ob Kinder in der Schule ihres Townships bleiben müssen oder bessere Bildungseinrichtungen erreichen können.
Gleichzeitig zeigte die Pandemie mit den in Südafrika sehr strengen Lockdowns aber auch, welche Innovationskraft vorhanden ist. Der D.G. Murray Trust entwickelte beispielsweise ein Mathematikprogramm über SMS. Schülerinnen und Schüler erhielten kurze Aufgaben auf ihr Handy. Wer sie innerhalb der vorgegebenen Zeit richtig löste, bekam Mobilfunk-Guthaben gutgeschrieben.
Telekommunikationsunternehmen beteiligten sich aktiv als Sponsoren. Tausende Mobiltelefone konnten für Kinder aus einkommensschwachen Familien zur Verfügung gestellt werden.
Hunderttausende Kinder konnten so trotz Schulschließungen weiterlernen und motiviert bleiben. Der Staat wandte sich aktiv an uns, weil Vertrauen in unsere Expertise bestand.
Das zeigt, dass Fortschritt selbst unter schwierigen Bedingungen möglich ist – wenn man bereit ist, pragmatische und kreative Lösungen zu entwickeln.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Das heißt, staatliche Einrichtungen und Provinzregierungen kommen auf den D.G. Murray Trust zu, weil Ihre Programme besonders nah an den Lebensrealitäten der Menschen ausgerichtet sind und gesellschaftliche Herausforderungen dadurch praxisnah und wirkungsvoll adressieren?
Christoph Schmocker: Ja, aus zwei Gründen. Erstens verstehen wir uns nicht primär als Förderstiftung, sondern als „Public Innovator“. Der Staat oder Provinzregierungen kommen mit konkreten gesellschaftlichen Problemen auf uns zu und suchen gemeinsam mit uns nach Lösungen.
Zweitens – und vielleicht noch wichtiger – besteht inzwischen ein enormes Vertrauen in unsere Arbeit. Wenn wir eine Lösung präsentieren, werden oft nicht mehrfache Pilotphasen vorgeschaltet, sondern direkt umgesetzt. Über viele Jahre hinweg hat der D.G. Murray Trust Glaubwürdigkeit aufgebaut. Dieses Vertrauen ist wahrscheinlich unser größter Wirkungshebel. Behörden und Verwaltung wissen: Wenn der D.G. Murray Trust etwas empfiehlt, dann basiert das auf fundiertem Wissen und Erfahrungen.
Natürlich gelingt nicht alles. Von zehn Initiativen sind sieben oder acht erfolgreich. Manche benötigen statt zehn eben vierzehn Jahre. Andere scheitern möglicherweise ganz.
Ein schwieriges Thema ist etwa Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen. Trotz jahrelanger Arbeit sind Fortschritte begrenzt, weil gesetzliche Kontrollen kaum durchgesetzt werden. Dennoch machen wir weiter, weil unser ethischer Kompass uns dazu verpflichtet.
Ähnlich schwierig ist geschlechtsspezifische Gewalt, die ja auch in Europa ein brennendes Thema ist. Südafrika hat sehr hohe Zahlen bei häuslicher Gewalt. Auch hier wissen wir nicht, ob unsere Programme letztlich erfolgreich sein werden. Aber Nichtstun wäre keine Option.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Was können europäische Stiftungen, Philanthropen oder auch sozial engagierte Unternehmen aus Ihrer Sicht von diesen Erfahrungen lernen?
Christoph Schmocker: Der größte Unterschied liegt aus meiner Sicht im Denken von „Ich“ versus „Wir“. Das betrifft nicht nur afrikanische Länder, sondern auch viele Teile Lateinamerikas.
Dort denken Menschen häufig nicht nur an ihre eigene Karriere oder ihre unmittelbare Familie, sondern an ihre gesamte Gemeinschaft. Sie fragen sich: „Wie kann ich dazu beitragen, mein Dorf, meine Schule oder meine Community zu stärken?“
In Europa hingegen ist der Fokus oft stärker auf das Individuum gerichtet. Viele junge Menschen orientieren sich primär daran, was ihrer eigenen Karriere oder Lebensqualität dient. Das ist nicht immer egoistisch gemeint, aber generell stark individualisiert.
In Südafrika sprechen junge Menschen hingegen oft darüber, wie sie die Wasserversorgung ihres Dorfes verbessern oder ihre Gemeinschaft stärken möchten. Dieses Denken in größeren sozialen Kreisen ist ein fundamentaler Unterschied.
Und daraus entsteht auch Verantwortung: Menschen engagieren sich an ihren ehemaligen Schulen, lesen dort vor, unterstützen Projekte oder werden Vorbilder für jüngere Generationen. Dieses Verständnis von Gemeinschaft könnten wir in Europa stärker entwickeln.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Welche Fähigkeiten oder Haltungen brauchen europäische Stiftungen heute, um globale Entwicklungen wirklich zu verstehen und daraus wirksam zu handeln?
Christoph Schmocker: Es gibt nicht nur einen richtigen Ansatz, aber dieser Gedanke könnte ein wichtiger Ausgangspunkt sein.
Ein interessantes Beispiel ist die Schweizer Ernst Göhner Stiftung. Sie erhält jährlich rund 2.000 Förderanträge und unterstützt etwa die Hälfte davon. Statt wenigen großen Förderungen setzt sie auf viele kleinere Beiträge zwischen 5.000 und 50.000 Franken. Die Stiftung sagt bewusst: „Wir möchten auch einem Jugendtheater im entlegensten Tal der Schweiz ein Zeichen geben: Macht weiter.“
Das ist ein ungewöhnlicher Ansatz. Natürlich besteht das Risiko, dass nicht jedes Projekt perfekt geprüft werden kann. Dennoch genießt die Stiftung großes Ansehen, gerade weil sie Vertrauen schenkt und niederschwellige Zugänge ermöglicht.
Normalerweise plädiere ich für Fokus und strategische Konzentration. Aber dieses Modell zeigt, dass auch ein breiteres, gemeinschaftsorientiertes Förderverständnis wirkungsvoll sein kann.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Welchen Rat geben Sie österreichischen Stiftungen, um ihre Arbeit zukunftsfähiger und wirkungsvoller auszurichten?
Christoph Schmocker: Es sind im Grunde drei Begriffe:
- Ambition.
- Professionalisierung
- externe Herausforderungen zulassen.
Zunächst muss sich jede Stiftung fragen: Welches Exzellenzniveau möchten wir erreichen? Möchte man auf einer Skala von eins bis zehn bei drei oder vier bleiben – oder strebt man sieben oder acht an?
Das ist keine Frage gesetzlicher Vorgaben, sondern eine bewusste eigene Entscheidung. Wenn man besser werden möchte, braucht man Unterstützung, externe Perspektiven und Menschen, die Dinge hinterfragen. Viele Stiftungen, selbst sehr erfahrene, haben noch erhebliches Entwicklungspotenzial.
Wer ein exzellentes Stiftungssystem verstehen möchte, sollte sich den D.G. Murray Trust ansehen. Ich habe mehrere Stiftungen geleitet und dort vielleicht eine sieben oder acht von 10 möglichen Punkten erreicht – aber der D.G. Murray Trust ist für mich eine klare neun.
Beeindruckend ist nicht nur, was diese Stiftung inhaltlich tut, sondern wie sie arbeitet: ihre Struktur, ihre Kultur, ihre Kommunikation und ihre Fähigkeit, auch junge Menschen aktiv einzubinden.
Stiftungen sind oft von älteren Generationen geprägt. Beim D.G. Murray Trust gestalten junge Menschen die Zukunft der Stiftung aktiv mit. Das ist außergewöhnlich und zukunftsweisend.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Wenn Sie auf Ihre internationale Erfahrung zurückblicken – was braucht Philanthropie heute, um gesellschaftlich wirklich wirksam zu bleiben?
Christoph Schmocker: Die großen Herausforderungen unserer Zeit – soziale Ungleichheit, Bildung, gesellschaftlicher Zusammenhalt oder Klimafragen – lassen sich nur lösen, wenn unterschiedliche Generationen, Kulturen und Perspektiven gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Ich habe gelernt, dass Hoffnung keine naive Haltung ist, sondern eine Entscheidung. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Aufgabe moderner Philanthropie: Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen wieder daran glauben können, dass Veränderung möglich ist.
Verband für gemeinnütziges Stiften: Herr Schmocker, vielen Dank für das Gespräch.
Medienecho
Bernhard Weber, Geschäftsführer des ICEP (Institut zur Cooperation bei Entwicklungs-Projekten) und Herausgeber des corporAID-Magazins, lässt in seinem Online-Format "Ein Espresso mit..." führende Persönlichkeiten im kompakten Rahmen zu Wort kommen. Hier sehen Sie das Interview mit Christoph Schmocker.
Hier kommen Sie zum Medienbericht über die Veranstaltung "Philanthropie in Afrika.
Zum Download: Presseaussendung zur Veranstaltung "Philanthropie in Afrika"

